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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen
von Georg
Parlow |
 
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Der Begriff "Stimulation"
Ein wichtiger Begriff, mit dem wir Sie in diesem Zusammenhang vertraut machen möchten, ist die "Stimulation". Stimulation ist im Grunde jede Art von Eindruck, jeder Reiz, jede Anregung, die wir erhalten. Wir meinen damit alle Eindrücke, ob sie nun von außen, aus dem Inneren unserer eigenen Körper, oder aus der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt kommen. Alle bewusst oder unbewusst empfangenen Eindrücke sind in unterschiedlichem Maße anregend oder erregend, von kaum merkbar bis überwältigend. Ein neuer Eindruck ist dabei immer stärker anregend oder stimulierend, wie der gleiche Eindruck, wenn er uns bereits vertraut ist. Jeder Mensch fühlt sich mit einem gewissen, persönlichen Maß an Stimulation am wohlsten. Stimulation unter der persönlichen Behaglichkeitszone erleben wir als langweilig, es tut sich nichts, wir sind unterfordert. Unterstimulierte Menschen werden oft unruhig und gehen mehr oder weniger gezielt auf die Suche nach Anregung, nach Abwechslung, nach Neuem. Haben wir allerdings mehr Anregungen oder intensivere Anregungen als uns lieb ist, so sprechen wir von Überstimulation.
Überstimulation ist negativer Stress (Dystress) und führt leicht zu Überforderung. Überstimulation kann durch zu intensive Reize (z.B. extremer Lärm), zu viele verschiedene Reize zur gleichen Zeit
(z. B. vier Kinder, die uns zur gleichen Zeit an sich harmlose Fragen stellen), oder durch an sich erträgliche oder anfangs sogar angenehme Reize über einen zu langen Zeitraum hinweg (z. B. das sanfte Kraulen am Hinterkopf kann nach einiger Zeit nervig und nach einigen Stunden zur Folter werden) hervorgerufen werden. Überstimulation ist also eine Art Reizüberflutung, die mehr oder weniger bewusst wahrgenommen wird. Menschen reagieren darauf mit Rückzugsbedürfnis oder Aggression, körperlichen Erregungssymptomen wie Erröten, Herzklopfen oder Schweißausbrüchen, Zittrigkeit, oder Verwirrtheit. Wenn Menschen überstimuliert sind - egal wie empfindlich sie sind - sinken ihre Leistungen, sie können oft nicht mehr klar denken, werden tollpatschig, reagieren emotional oder irrational. Dauert der belastende Zustand an, werden sie krankheitsanfällig und neigen zu Neurosen oder Depressionen.
Wie gesagt, Überstimulation ist für alle Menschen unangenehm und belastend. Der springende Punkt ist, dass der relativ kleine Prozentsatz von hochempfindlichen Menschen die Schwelle der Überstimulation auffällig früher erreicht als der Rest. (Von den diesbezüglichen Experimenten des bekannten russischen Psychologen Ivan Pawlow werden wir später noch hören.) Für so einen merklich empfindlicheren Menschen wurde Mitte der Neunziger Jahre von Dr. Elaine Aron der Begriff "highly sensitive person", zu Deutsch "hochempfindlicher Mensch" bzw. "hochsensible Person", kurz "HSP" geprägt.
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