Wege der Heilung und Selbstbestimmung
Aus dem bisher Gesagten geht schon hervor, dass Hochempfindlichkeit zwar ein innerlich sehr reiches und vielschichtiges Leben beschert, aber möglicherweise auch ein schmerzhaftes und problematisches. Das Gefühl, ungenügend, weniger belastbar und schwierig zu sein, kann besonders in der Kindheit tiefe Wunden in der Seele bewirken. Die Erkenntnis, sich nicht anpassen zu können, weil man zu verschieden vom Großteil der Mitmenschen ist, kann es sehr schwer machen, einen stimmigen Platz im Leben zu finden, ja es kann sogar so weit kommen, dass man meint, keinen Platz in der Welt zu haben. Wir haben erkannt, dass schon allein das Identifizieren der eigenen Anlage große Veränderungen bewirken kann, dass im Lichte der Erkenntnis, zu dieser wertvollen Minderheit zu gehören, das bisherige Leben in einem neuen, freundlicheren und vor allem verständlicherem Zusammenhang gesehen wird. Wir müssen uns weder selbst verurteilen für unsere Andersartigkeit noch in Arroganz verharren oder uns in Luftschlösser zurückziehen. Wenn wir wollen, können wir unseren wichtigen Part im Zusammenspiel der menschlichen Vielfalt erkennen und den Wert unserer Eigenart schätzen lernen.
Erwähnt sei noch, dass das Buch selbstverständlich für alle interessierten Leser gedacht ist, ungeachtet ihrer Empfindsamkeit. Es richtet sich im Dialog mit dem Leser oder der Leserin jedoch an hochempfindliche Menschen. Viele von uns haben sich ein Leben lang nicht nur anders, sondern auch nicht zugehörig erlebt, und oft die schmerzliche Erfahrung gemacht, dass sich viele Angebote nicht an uns richten. Für viele HSP, mit denen wir im Zuge der Arbeit an diesem Buch zu tun hatten, war es wichtig zu erkennen, dass es seinen Sinn und Berechtigung hat, dass sie so sind wie sie sind. Darüber hinaus war es für sie oft erleichternd, dass es viele Menschen gibt, die ihnen in vielen Aspekten gleichen. Dies gilt vor allem auch für Aspekte, in denen sie sich bis dahin vielleicht von kaum jemandem verstanden oder angenommen gefühlt haben, Eigenarten, die sie an sich selbst als schwierig erleben. Wir bitten unsere nicht hochempfindlichen Leser und Leserinnen um Verständnis dafür, dass wir uns ganz besonders an hochempfindliche wenden.