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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Tiefere Verarbeitung aller Eindrücke (Teil 1)

Eindrücke werden von hochempfindlichen Personen jedoch nicht nur stärker und detaillierter wahrgenommen, sondern auch tiefer und gründlicher verarbeitet. Moderne Gehirnforscher sprechen vom Gehirn oft als von einem Bio-Computer. Hereinkommende Daten müssen, bevor sie abgespeichert werden können, erst verarbeitet werden. Wie jeder weiß, der sich mit Systemabstürzen herumärgern muss, braucht dies Systemressourcen, also einfach gesagt, Zeit und Rechenleistung. Hat der Computer beides nicht in ausreichendem Maße, etwa weil man parallel noch fünf andere Programme laufen hat, ist das System überfordert und stockt oder stürzt ab.

Die Verarbeitung von Eindrücken im Nervensystem funktioniert ähnlich. Bei nicht hochempfindlichen Menschen werden Eindrücke (also Daten) in geringerer Menge gesammelt, relativ schnell verarbeitet und nach einfacheren Kriterien abgelegt. Hochempfindliche Menschen jedoch sammeln unwillkürlich viel höhere Datenmengen, verarbeiten diese Daten tiefer und gründlicher, stellen gleichzeitig Querverbindungen zu bereits Abgelegtem her und versuchen, die Daten möglicht stimmig und für zukünftige Querverbindungen abrufbar zu indizieren und zu speichern. Komplexe Datenmengen verursachen daher ein langes "Nachhallen", um verarbeitet zu werden, und dies braucht, wie beim Computer, Zeit und Kapazitäten. Sind diese nicht vorhanden, etwa weil die Person gerade von anderen Dingen in Anspruch genommen wird, so kann es sein dass die Daten in eine Art geistiger "Zwischenablage" wandern, um zu einem späteren Zeitpunkt hervorgeholt, analysiert und verarbeitet zu werden, vorausgesetzt die interne Prioritäten-Kennzeichnung erlaubt dies. Doch auch die Kapazität der Zwischenablage ist begrenzt, und ist sie zu voll, wirkt sich dies ebenfalls als Überstimulation aus - die hochempfindliche Person hat das Gefühl, nun "genug zu haben".

Kennen Sie das Gefühl der Überforderung an Tagen, an denen viel los ist? Mehr als drei Viertel aller HSP beobachten an solchen Tagen, dass sie das Bedürfnis haben, sich ins Bett oder einen abgedunkelten Raum zurückzuziehen - irgendwohin, wo sie vor weiteren Außeneinflüssen abgeschirmt sind und für sich sein können. Spätestens wenn dieses innere Alarmlämpchen blinkt, müssen neue Systemressourcen geschaffen werden - sei es durch Rückzug oder andere Strategien, die im Kapitel 5 "Selbstmanagement" zur Sprache kommen werden.

Eine weitere Eigenschaft Hochsensibler ist es, bei der Bewertung von Eindrücken weitaus mehr Graustufen zu verwenden als nicht Hochempfindliche. Dadurch können Eindrücke nicht so schnell kategorisiert oder in eine vorhandene "Schublade" abgelegt werden, einfach weil viel mehr Schubladen verwendet werden. Hochempfindliche verwenden manchmal ein so nuancenreiches Set an Schubladen, dass damit das als Vereinfachung gedachte System der Schubladisierung ad absurdum geführt wird. Mit hinein spielt natürlich, dass es ja selten nur um ein reines Bewerten von Eindrücken geht, sondern fast immer auch die etwaigen Konsequenzen dieser oder jener Bewertung gleich mit bewertet werden.

zu Teil 2

© FESTLAND Verlag

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