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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Ausgeprägte Intuition

Aufgrund ihrer für nicht hochempfindliche Menschen oft geradezu "übersinnlich" anmutenden Detailwahrnehmung ist Intuition für viele hochsensible Menschen ein Sinnesorgan wie Augen und Ohren. Eine mögliche Definition von Intuition lautet: "Das unbewusste Aufnehmen von Einzelheiten, diese in Beziehung setzen, und das Ergebnis bei Bedarf wiedergeben". Es handelt sich in jedem Fall um einen Akt der Erkenntnis oder Einsicht, ohne dass dabei das lineare Denken oder in erkennbarer Weise die Sinne bemüht werden, und es ist für viele hochempfindliche Menschen so selbstverständlich, dass es ihnen kaum der Rede wert scheint. Viele intuitive Menschen lesen beispielsweise grundsätzlich keine Bedienungsanleitungen technischer Geräte - sie drücken einfach auf den Knopf "der offensichtlich der richtige ist", und der Apparat funktioniert (wenngleich es auch mit komplexeren Funktionen heutiger Geräte immer schwieriger wird, deren technische Möglichkeiten solcherart wirklich auszuschöpfen). Am Arbeitsplatz und im zwischenmenschlichen Bereich haben hochempfindliche Menschen oft ein intuitives Gefühl für das richtige Vorgehen, womit sie einige andere durch ihre Sensibilität bedingten Schwierigkeiten mehr als wettmachen können.

Trotzdem gibt es sehr viele hochempfindliche Menschen, die es vehement bestreiten würden, sich als intuitiv zu bezeichnen. Der Grund dafür ist wohl hauptsächlich in ihrer Vorstellung von Intuition zu suchen. Viele Menschen meinen, wer Intuition hat, kann diese willentlich für eine bestimmte Aufgabenstellung einsetzen wie z. B. die Logik. Das gibt es natürlich auch, aber in den seltensten Fällen. Für den Großteil der intuitiven Menschen ist Intuition etwas, das einfach geschieht - oder eben auch nicht. In den seltensten Fällen haben sie darüber Kontrolle.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es durchaus auch hochempfindliche Menschen gibt, die sich sehr der Rationalität und der linearen Logik verschrieben haben, und die überhaupt keinen bewussten Zugang zu ihrem intuitiven Potential haben, aber auch solche, die ihren unreflektierten Zugang zur Intuition und ihr rationales Weltbild nahtlos verbinden können.

Ein erfreulich hoher Prozentsatz an hochsensiblen Menschen steht jedoch auf sehr gutem Fuße mit der eigenen Intuition - egal, ob diese nun so bezeichnet wird oder nicht. Diese Menschen haben einfach Vertrauen in die eigene Irrationalität. Wenn sie bemerken, dass sie ohne auf ersten Blick ersichtlichen Grund "irrtümlich" etwas anderes eingekauft, geschrieben, hergerichtet, etc, haben, als sie eigentlich vorhatten, dann akzeptieren sie das, ändern ihre Pläne und bauen auf dem "Fehler" auf, ohne sich viel dabei zu denken. "Es wird schon seinen Sinn haben" ist ihr Motto, mit dem sie es in vielen Dingen ungleich einfacher haben als Rationalisten.

© FESTLAND Verlag

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