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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Lebhafte Vorstellungskraft (Teil 2)

Dies ist ein Punkt, in dem HSP oft von sich auf andere, sprich, auf nicht hochempfindliche Menschen, schließen. Wenn für uns geradezu offensichtlich ist, welche Folgen eine Aktion oder ein Zustand haben werden, so trifft das auf viele unserer weniger sensiblen Mitmenschen keineswegs zu. Sie sind weder dumm noch selbstzerstörerisch, wenn sie scheinbar offenen Auges auf das vorhersehbare Desaster zugehen, um dann höchst erstaunt zu sein, wenn es eintritt. Sie konnten es sich einfach nicht vorstellen, bzw. erfordert es für sie (wie auch für die hochsensiblen, welche diesen Punkt weniger markant ausgebildet haben) einen eigenen Akt des Pausierens, Nachdenkens und Vorstellens, der eben oft nicht stattfindet. Wie wir später noch ausführlicher besprechen werden, ist die warnende Stimme der Vernunft eine der gesellschaftlichen Funktionen der HSP.

Einer der weniger angenehmen Aspekte der bildhaften Vorstellung ist es, dass auch die Ängste bei hochempfindlichen Menschen in intensiver und bildhafter Form auftreten. Wir können uns also etwas, das wir fürchten, nur allzu gut bis ins kleinste Detail ausmalen. In der Filmindustrie ist deshalb das typische Opfer einer Horrorsequenz ganz sicher ein hochempfindlicher Mensch. Zart, verletzlich, voller intensiver Gefühle, die dank emotionaler Transparenz gut sichtbar sind, und die das drohende Gewalterlebnis bereits vorwegnehmen - so werden Opfer in den Filmen dargestellt. Wen wundert es, dass viele hochempfindliche Jugendliche sich lieber coole Sieger als Rollenbild wählen - und sich damit leider mit der eigenen Anlage in Konflikt bringen und sich unerreichbare Ziele stecken.

So wie uns die Vorstellungsgabe helfen kann, wenn es um die Verwirklichung von Gestaltungszielen geht, so fällt sie uns in den Rücken, wenn es darum geht, mit Ängsten fertig zu werden. Gerade in dieser Beziehung ist effektives Selbstmanagement essentiell, da auch Ängste, die nur von unserer Phantasie über mögliche Zukünfte ausgelöst werden, eine intensive Stimulation bedeuten. Ungeachtet der Wurzel kann Stimulation über einen längeren Zeitraum zu chronischer Überstimulation führen, mit allen unangenehmen Nebenerscheinungen bis zu körperlichen Krankheiten, vor allem psychosomatischen Beschwerden und Zivilisationskrankheiten.

© FESTLAND Verlag

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