Denken in größeren Zusammenhängen
Hochempfindliche Menschen zeigen die Tendenz, in größeren Zusammenhängen zu denken. Möglicherweise hat dies mit der Zusammenarbeit der beiden Gehirnhälften zu tun, auf die später noch näher eingegangen werden wird. Diese Neigung tritt zumeist als Automatismus auf, und ist nichts, was wir extra tun müssen, zum Unterschied von weniger sensiblen Menschen. Während jene Anstrengungen unternehmen müssen, um etwas im systemischen Zusammenhang zu sehen, so ist es für viele hochempfindliche Menschen schwer, Dinge nicht im systemischen Kontext zu betrachten.
Dieses vernetzte Denken kann sowohl zeitlich-ursächlich sein (die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft), inhaltlich (inwieweit betrifft das andere Bereiche oder Personen?) als auch assoziativ (was hängt noch damit zusammen?). Einfach gesprochen ist ein Hund für uns nicht bloß ein vierbeiniges Tier, sondern ein komplexes System von Zusammenhängen (Abstammung, Verhalten, soziale Bedeutung, etc.). Dadurch müssen wir, wenn wir eine Wahrnehmung verarbeiten, auch alles miteinbeziehen, was an Assoziationen "daran hängt" - ein weiterer Grund für unsere tiefere und längere Beschäftigung mit der Verarbeitung von Eindrücken.
Der Hang, zeitlich-ursächliche Verbindungen herzustellen bzw. sich für solche Zusammenhänge zu interessieren führt auch dazu, dass viele HSP ein Faible für Geschichte und historisch oder biologistisch hergeleitete Erklärungen von Ereignissen haben. Daher findet sich beispielsweise unter Historikern, Kulturgeschichtlern, Archivaren, Archäologen und ähnlichen Berufen ein sehr hoher Prozentsatz an hochempfindlichen Menschen.