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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Fehler-Sensibilität bei sich und anderen

Im Zusammenhang mit einer klaren Wahrnehmung von dem was stimmt (oder stimmen würde) sind die meisten von uns äußerst fehlersensibel. Dabei ist es weniger wichtig, ob sie diesen Fehler selbst begehen oder jemand anderer in ihrem Umfeld. Fehlerfreiheit scheint eine Art von Ideal zu sein, dem aus Prinzip nachgestrebt wird. Fehler zu machen ist vielen von uns ein Gräuel, der unserer Gewissenhaftigkeit entgegensteht, und daher möglichst vermieden wird. 89% der hochempfindlichen Menschen unternehmen besondere Anstrengungen, um Fehler zu vermeiden bzw. nichts zu vergessen.

Diese geringe Fehlertoleranz trägt auch sehr dazu bei, dass hochempfindliche Menschen übermäßig zu Prüfungsstress neigen, bzw. unter Beobachtung tendenziell weit schlechter abschneiden, als sie es in anderen Situationen bei den gleichen Aufgaben tun. 81% der HSP sagen, dass sie in Prüfungssituationen schlechtere Ergebnisse brächten, und der Rest ist mehrheitlich neutral. Während es unter nicht hochempfindlichen Menschen bekanntermaßen nicht wenige gibt (wobei uns hierzu leider keine Zahlen zur Verfügung stehen), die unter Beobachtung oder bei Prüfungen zu Höchstformen auflaufen, so zählen sich nur 5% der Hochempfindlichen dieser Gruppe zu.

Hochempfindliche Menschen bemühen sich nicht nur tendenziell, selbst Fehler zu vermeiden, sondern sie haben geradezu einen "Blick für Fehler", egal wessen Fehler es nun sein mögen. Und da auch (speziell) sie nicht gegen den menschlichen Grundfehler gefeit sind, von sich auf andere zu schließen, machen sie auch andere manchmal direkt auf ihre Fehler aufmerksam, meist in der Annahme, ihnen einen Gefallen zu tun. Dadurch haben viele hochempfindliche Menschen den Ruf, überkritisch zu sein, manchmal sogar den eines Querulanten, oder werden ob ihrer "Strenge" gefürchtet. Dabei liegt die Wurzel dieses oberlehrerhaften Verhaltens wohl meist in einer Art wissenschaftlichem Streben nach Fehlerfreiheit, in das andere ungefragt einbezogen werden.

© FESTLAND Verlag

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