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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen
von Georg
Parlow |
 
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Lernfähigkeit bis ins hohe Alter
Leben bedeutet für hochempfindliche Menschen lernen, und das in jeder Beziehung. Oft ohne es zu merken, nehmen die meisten von uns ständig neue Inhalte auf, und überraschen uns dann selbst mit Wissen oder Fähigkeiten, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie besitzen. Viele HSP arbeiten beispielsweise an Arbeitsplätzen, an denen sie von der Tätigkeit her weit unterfordert sind (während sie alltägliche Kleinintrigen, die Radioberieselung und die Gruppenbesprechungen andererseits vielleicht bis an ihre Grenze fordern). Sie gleichen das oft aus, indem sie die Tätigkeiten ihrer Kollegen oder Kolleginnen auch lernen - bis sie den gesamten Ablauf verstehen und beherrschen, und dann vielleicht beginnen, sich mit Verbesserungsvorschlägen mehr oder weniger unbeliebt zu machen. Dem Autor sind persönlich zwei Fälle bekannt, wo nach der Kündigung eines hochsensiblen Mitarbeiters einmal drei und einmal sage und schreibe vier Leute eingestellt wurden, um das zu tun, was vorher ein einziger, hochempfindlicher Angestellter erledigte. Und das nicht etwa erst nach langjähriger Tätigkeit, sondern nach 2 bzw. 4 Jahren Betriebszugehörigkeit. In beiden Fällen handelte es sich um eher oberflächliche Tätigkeiten, welche das Potenzial und die Kreativität und andere spezielle Fähigkeiten der HSP nicht einmal annähernd ausschöpften.
Diese Lernfähigkeit hochempfindlicher Menschen ist ziemlich unabhängig vom Alter der jeweiligen Person - HSP verblüffen oft noch im hohen Alter durch ihr Interesse für Neues und ihre geistige Beweglichkeit. Vermutlich hängt diese innere Agilität der HSP mit ihrem tiefen Bedürfnis zu verstehen zusammen, von dem wir bereits im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Eindrücken sprachen. Fähigkeiten, die ein Leben lang geübt werden, bleiben uns meist bis ins reife Alter. Im Orient beispielsweise, wo auch wohlhabende Menschen auf Grund ihrer kulturellen Eigenheiten überwiegend am Boden sitzen, sind die meisten Menschen bis ins Greisenalter ohne nennenswerte Mühen fähig, sich im Schneidersitz auf den Boden zu setzen oder von dort aufzustehen. Hoch
empfindliche Menschen, die sich ein Leben lang bemühen, die unzähligen erlebten oder beobachteten Szenen zu verstehen, bleiben bis ins hohe Alter geistig rege, interessiert und offen für neue Einsichten.
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