Körperliche Tendenzen hochsensibler Menschen (Teil 2)
Hochempfindliche Menschen sind meist feinmotorisch sehr begabt. Dies ist eine Eigenschaft, die sich oft schon in früher Kindheit beobachten lässt. Überstimulierung jedoch beeinflusst ihre körperliche Koordination stark. Trotz guter Feinmotorik kann aus einer HSP sehr schnell der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen werden, wenn sie sich beobachtet fühlt, es eilig hat oder rundum allgemeiner Trubel herrscht. Satte 84% bringt es ganz durcheinander, wenn sie viel auf einmal zu erledigen haben. Mehr als 79% der HSP geben an, dass es sie unangenehm aufregt, wenn rund um sie viel vor sich geht. Diese letzte Angabe ist insofern besonders interessant, weil sowohl der Handel als auch die Freizeitindustrie Milliarden ausgibt, um dem zahlenden Konsumenten besonders vielfältig anregende Ereignisse in Form von Erlebnisshopping, Clubbing oder anderen Events zu bieten. Natürlich gibt es auch viele, vor allem jugendliche, HSP, die solche Ereignisse suchen. Doch für sie dient es meist als gezielter Ersatz oder Verstärkung der Wirkung von legalen oder illegalen Rauschdrogen.
Auch eine Fähigkeit zu hoher Konzentration und zum Stillhalten ist den meisten hochempfindlichen Menschen in die Wiege gelegt. Während die Vorstellung, eine Flüssigkeit (z.B. Öl) aus einem flachen Gefäß (z.B. einer Pfanne) in eine schmale Öffnung zu gießen (z.B. zurück in die Ölflasche), die meisten nicht hochempfindlichen Menschen nervös und ungeduldig macht, werden viele (vor allem ältere) hochsensible Menschen dies einfach tun, ohne viel Gedanken darüber zu verlieren. Hochsensible Kinder, die man buchstäblich wegtragen kann, wenn sie beispielsweise in ein Buch vertieft sind, sind keine Seltenheit.
Viele HSP sind Morgenmenschen, andere jedoch meiden gezielt die Hektik des Tages und suchen Entspannung und die Möglichkeit zum konzentrierten Arbeiten in den ruhigen Nachtstunden. Um sich zu regenerieren, benötigen hochempfindliche Menschen oft viel Schlaf, Überstimulation jedoch kann uns quälende Schlaflosigkeit bescheren. Wie die überdrehten Kinder liegen wir dann müde im Bett, übervoll mit den Eindrücken des Tages oder unter Spannung vor dem Kommenden, und völlig beschäftigt mit dem Verarbeiten der Erlebnisse bzw. damit, uns auf zukünftige Situationen vorzubereiten. Auch dazu werden wir in Kapitel 5 "Selbstmanagement" einiges sagen.
Im nächsten Kapitel werden wir noch einige weitere Fakten betrachten, und dann überlegen, welche Schlussfolgerungen sich aus dem bisher Gesagten ziehen lassen.