Subtile Wahrnehmung - Innere Welten (Teil 1)
Hochempfindliche Menschen nehmen nicht nur über die Sinne Informationen auf. Ihr gesamtes Innenleben wird von ihnen viel reichhaltiger und differenzierter erlebt. Über 84% der hochsensiblem Menschen erleben ihr eigenes Innenleben als reichhaltig und vielschichtig. Die endlosen Nuancen der eigenen Stimmungen bedeuten für so manche Hochempfindliche nicht nur eine stete Quelle der Stimulation, sondern auch ein weites und faszinierendes Feld für Forschung und Spiel. So ist beispielsweise vielen Hochempfindlichen der Einfluss von Filmmusik auf die Stimmungslage bewusst, und manchmal ein Hauptgrund für sie, sich bestimmten Filmen auszusetzen, und zu verfolgen wie die Handlung und speziell die Musik die verschiedensten Register im Stimmungsapparat zieht, bzw. andere Filme zu meiden, weil sie ihnen zu aufregend sind.
Hochempfindliche Kinder können wir dabei beobachten, wie sie die Verknüpfung von Körperhaltung, speziell Mimik, und Stimmungen erforschen. Wenn sie hingebungsvoll die ungewöhnlichsten Grimassen schneiden, doch diesmal nicht vor dem Spiegel, sondern mit leerem, nach innen gerichtetem Blick, dann beobachten sie wahrscheinlich gerade wie jeder veränderte Muskel im Gesicht die Färbung der eigenen Stimmung etwas ändert. Nicht hochempfindliche Menschen merken vielleicht einen Unterschied, wenn sie lächeln, grimmig oder traurig schauen, aber die unzähligen Facetten der wechselnden Stimmungen bis zu den ausgefallensten bleiben ihnen verschlossen. Oft werden sie gar nicht in der Lage sein, ihr Gesicht so virtuos zu verzerren in der Darstellung aller Arten von Masken, als ob ein Zusammenhang bestünde, in der Weise, dass wir das Gefühl nur dann willentlich produzieren können, wenn wir auch die entsprechende Fähigkeit zur Wahrnehmung haben.
Für hochempfindliche Menschen ist es nicht ungewöhnlich, bestimmte Farben, Klänge oder Zahlen mit gewissen Stimmungen verknüpft zu erleben. Am stärksten können wir das bei hochempfindlichen Kindern beobachten, später lernen wir oft, unsere Wahrnehmungen zu zensurieren. Das Lösen einer Rechenaufgabe kann durch so eine Verknüpfung nicht nur eine Denkleistung darstellen, sondern auch zum Erleben einer Kaskade an subtilen Stimmungen und Gefühlen führen. Ähnliches kann für das Malen eines bunten Bildes oder für das Musizieren gelten. Sinnliche Eindrücke, auch wenn sie sehr zart oder schwach sein mögen, sind bei den meisten von uns eng mit Gefühlen verbunden. So nimmt es nicht Wunder, dass fast 92 Prozent der HSP angeben, dass sie sich von Kunst, Musik bzw. Naturstimmungen stark bewegt fühlen. Weitere 6 Prozent sind sich nicht schlüssig, und nur zwei Prozent haben die Frage verneint.
zu Teil 2