Außersinnliche Wahrnehmung - Andere Welten
Wenn es beispielsweise auch höchst ungeklärt ist, wie wir den emotionalen Zustand eines Menschen wahrnehmen können, der gerade den Raum betritt, während wir der Tür den Rücken zudrehen oder mit geschlossenen Augen am Bett liegen, so handelte es sich doch bis jetzt noch um "normale" und überprüfbare Dinge. Theorien, dass es sich um unterschwellige Wahrnehmung und Interpretation von subtilen Signalen wie dem Rhythmus der Schritte oder der Art und Weise des Öffnens der Tür handelt, scheinen da sehr plausibel. Darüber hinaus hat jedoch eine erhebliche Anzahl von hochempfindlichen Menschen Wahrnehmung von ganz anderen Dingen.
Das für die meisten Menschen leichter nachvollziehbare Ende des Spektrums sind dabei wiederum die Ereignisse, die mit bestehenden Beziehungen zusammenhängen. Wenn wir 'wissen' wer uns anruft, ehe wir den Hörer von der Gabel nehmen, oder die hochempfindlichen Freunde, die sich genau dann melden, wenn es uns schlecht geht und wir Aufmunterung brauchen. Hierher gehört auch das Phänomen, dass derjenige, den wir gerade anrufen wollen, uns anruft, just als wir zum Hörer greifen, oder dass wir immer 2 Tage, nachdem wir intensiv an Tante Herta denken mussten, von ihr einen Brief bekommen.
Darüber hinaus nehmen viele Hochempfindliche Dinge wahr, die sie oft nicht als Wahrnehmung erkennen. Sie halten das dann vielleicht für spielerische Phantasie, über die sie nie mit jemandem sprechen, oder halten diese Phänomene sehr nahe bei der Bewusstseinschwelle, wodurch sie nie darüber nachdenken, geschweige denn sich darüber austauschen. Das können einfache Farbmuster sein, fadenartige Verbindungen zwischen Menschen und Dingen, abstrakte Welten, die über die physische wie 'darüberprojiziert' sind, Wesen aller Art, von verstorbenen Seelen, kleinen Leuten, Naturgeistern, Engeln und Lichtwesen, Schattenwesen, unverständlich fremdartigen oder märchenhaft vertrauten, mit denen sie kommunizieren oder auch nicht, bis hin zu komplexen Traumwelten, die einen Zusammenhang mit dem Geschehen auf der physischen Ebene erkennen lassen oder auch nicht.
Vermutlich haben die meisten hochempfindlichen Menschen als Kinder Zugang zu solchen Ebenen, später werden sie dann oft aus dem Bewusstsein trainiert, bleiben aber fast ebenso oft als spielerische Einbildung ("Ich bilde mir das ja nur ein") oder kreativer Freiraum ein lebenslanger Begleiter. Wir werden uns hüten, hier auf den Realitätsgehalt solcher Wahrnehmungen eingehen zu wollen. Da dieser Bereich jedoch für viele Hochsensible einen mehr oder weniger großen Teil der subjektiven Wirklichkeit ausmacht, darf er nicht unerwähnt bleiben. Die Welten der Tagträumerei und welchen subjektiven Stellenwert sie einnehmen, sind noch weitgehend unerforscht. Bessere Angaben stehen uns da zur Verfügung über die Traumwelten, die von HSP während des Schlafes besucht werden. Über 64% geben an, oft bunt und intensiv zu träumen. Und noch mehr, nämlich 70% der befragten hochempfindlichen Menschen sagen, dass ihnen ihr Traumleben wertvoll ist.