Hochempfindlichkeit vermutlich angeboren
Menschen sind komplex und vielschichtig und das trifft auf HSP sicherlich in noch höherem Maße zu. Deshalb ist es schwer, Aussagen zu machen, die auf alle Hochempfindlichen gleichermaßen zutreffen. Mit Sicherheit lässt sich jedenfalls sagen, dass die Hochempfindlichkeit in fast allen Fällen ab Geburt feststellbar ist. Ganz selten scheint es vorzukommen, dass Menschen erst als Erwachsene an sich eine bis dahin unbekannte Empfindsamkeit bemerken. Im einzigen uns bekannten Fall war das nach dem traumatischen Erlebnis eines mehrtägigen Komas. Leider ist das Phänomen der Hochempfindlichkeit an sich noch viel zu wenig erforscht um zu verstehen, wie es zu diesen Sonderfällen kommt. Doch von diesen Ausnahmen abgesehen sind wir sicherlich HSP von Geburt an.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Hochempfindlichkeit vererbt wird. Forschung in diesem Bereich zeigt sich als schwierig, weil wir bei der Beurteilung der Empfindsamkeit der Eltern oft auf subjektive Eindrücke und äußere Anzeichen angewiesen sind. Überdies bemühen sich traurig viele HSP ein Leben lang, ihre Empfindsamkeit abzulegen oder zumindest nicht zu zeigen. In wirtschaftlich härteren Zeiten, wie wir sie in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts durchlebt haben, ist diese Tendenz sicher noch verstärkt, einfach weil viele Menschen meinen, sich diese Empfindsamkeit nicht leisten zu können. Auch kommt Hochempfindlichkeit in vielen Gesichtern und Ausformungen, Intensitäten und Spezialisierungen, was die Aufgabe, sie ohne gründliche Tests zu erkennen, nicht leichter macht.
Wir wissen noch so gut wie nichts über die hier wirkenden Vererbungsmuster. Es ist durchaus denkbar, dass die Anlage auch eine Generation überspringen kann. Sicher ist jedenfalls, dass von denselben Eltern in einer Familie sowohl hochempfindliche als auch nicht hochempfindliche Kinder möglich sind. Aber auch ohne im Detail sagen zu können, wie die Vererbung der Hochempfindlichkeit vor sich geht, können wir doch die Vorhersage treffen, dass nahezu einhundert Prozent der HSP unter ihren Eltern oder Großeltern ebenfalls zumindest einen hochempfindlichen Menschen finden werden.
Wir finden Hochempfindlichkeit nicht nur bei Männern und Frauen in gleichem Maße, sondern auch bei allen Völkern und Rassen dieser Erde. Nicht nur das, sogar bei anderen höheren Säugetieren zeigt sich in etwa der gleiche Prozentsatz auffällig feinfühliger Individuen. Daraus können wir mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit schließen, dass Hochempfindlichkeit nicht nur etwas Natürliches und Normales darstellt, sondern dass diese genetischen Spielart eine wichtige Funktion für die Art hat.