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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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HSP – eine Klasse für sich, Teil 2

Die Klasse der Ratgeber hat es in allen Kulturen gegeben. Meist waren sie in Personalunion Priester, Wissenschaftler, Künstler und Heiler. Eine Minderheit, die selten direkt regiert hat (und wenn, dann meist ohne sich mit Ruhm zu bekleckern), doch immer eine wichtige Rolle gespielt hat. So wie es im einzelnem Menschen das Stopp-und-schau System braucht, um dem draufgängerischen Aktivierungs-System ein Gegengewicht zu geben, so braucht eine Gesellschaft die »königlichen Berater«. Entschlossenheit, Entscheidungsfreude, Mut und Risikobereitschaft sind wichtige Eigenschaften im Lenken einer Gesellschaft, einer Familie oder einer anderen Gruppe, doch ohne den mäßigenden Rat der Vorsichtigen, Einfühlsamen und Vorausschauenden kann die Entwicklung rasch an den Rand der kollektiven Selbstzerstörung führen.

In den ältesten Hochkulturen der Welt waren die Bedächtigen und Feinfühligen respektiert und geschätzt. In den tausende Jahre überdauernden Kulturen des alten Japans, Chinas, Ägyptens oder in Bharata, dem vedischen Indien, waren die HSP eine eigene, angesehene Klasse. Ihre Werte dienten als gesellschaftliche Leitbilder, für ihre besonderen Bedürfnisse wurde gesorgt und kaum ein Herr-scher traf Entscheidungen, ohne sie um Rat zu fragen. In der heutigen Welt ist noch ein schwacher Widerschein davon sichtbar, wenn die Stimmen von Künstlern, Wissenschaftlern oder Vertretern des Klerus zum Zwecke der öffentlichen Meinungsbildung publiziert werden.

Doch auch außerhalb einer anerkannten oder institutionalisierten Rolle erfüllen hochempfindliche Menschen in jeder Gesellschaft und in jeder Gruppe eine wichtige Funktion. Sie sind die Stimme der Vernunft, der Vorsicht und der Bedächtigkeit, die Mahnung zur Sanftheit, zur Langsamkeit und zum Frieden. Die Entspannung, das sowohl-als-auch und die Integration werden von Hochempfindlichen ebenso vertreten wie Bescheidenheit, das Verständnis für die Natur und die Pflege der inneren Werte. Es ist eine leise, meist unaufdringliche Stimme, der im Zuge der historischen Entwicklung immer weniger Gehör geschenkt wurde. Nichtsdestotrotz erfüllt sie eine bedeutende Funktion in jeder Nachbarschaft, in jedem Dorf, in jedem wirtschaftlichen Betrieb.

© FESTLAND Verlag

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