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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Licht und Schatten der Hochempfindlichkeit, Teil 2:

Der Stress, zwischen den sich widersprechenden Wünschen und Gefühlen zu entscheiden, ist alleine schon für viele von uns sehr stimulierend. Speziell innere Konflikte, die sich ergeben, wenn in Gruppen spontane Ideen für gemeinsame Aktivitäten auftauchen, können da sehr anstrengend oder schmerzhaft sein. Wir verbringen beispielsweise einen mit verschiedensten Aktivitäten ausgefüllten Urlaubstag mit Freunden. Am frühen Abend erschöpft ins Quartier, wenn plötzlich der Vorschlag auftaucht, tanzen zu gehen und bei den anderen die Müdigkeit wie weggeblasen erscheint. Gerne wären wir dabei, wenn unsere Freunde noch einige schöne und ausgelassene Stunden miteinander verbringen und auch Tanzen macht uns Spaß – aber gleichzeitig haben wir bereits mehr als genug und brauchen dringend Rast und Zeit für uns alleine. Eine schnelle Entscheidung soll es auch noch sein, weil die anderen ja losgehen wollen. In einer solchen Situation verwünscht so manche HSP ihre Empfindsamkeit.

Doch genau in dieser Empfindsamkeit, die durch ein unverständiges Umfeld, kollidierende eigene Begierden und unwissenden Umgang zur Qual werden kann, liegt auch das besonders Erfüllende, das den Hochempfindlichen vorbehalten ist. Die feine, detailvolle Wahrnehmung, die Freude an der Schönheit der Schöpfung, die Tiefe und Subtilität des Gefühlslebens, ein abstraktes Vorstellungsvermögen, die Erkenntnisfähigkeit und Wahrnehmung von Sinnhaftigkeit sind nur einige der Quellen tiefer Gefühle und erhebender Erlebnisse, die jenseits des Vorstellungsvermögens der nicht hochempfindlichen Menschen liegen.

Hochempfindlichkeit ist ein Gesamtpaket mit allen Vor- und Nachteilen, die es mit sich bringen mag. Wenn wir darum wissen, wie sehr diese Empfindsamkeit unser Leben bereichert, fällt es den meisten von uns gleich viel leichter, den vergleichsweise seichteren Freuden zu entsagen, wenn es zu einem Konflikt der eigenen Interessen kommt. Vielleicht, weil wir uns dann vom Leben nicht mehr so ungerecht behandelt fühlen – und Ungerechtigkeit ist etwas, das HSP bekanntlich nicht sehr gut ertragen.

Gegenwärtig ist fast die Hälfte aller Hochempfindlichen (46 %) mit ihrer Anlage so wenig glücklich, dass sie sich weniger Emp-findsamkeit wünschen. Durch Kenntnisse der individuellen Ausformung der eigenen Anlage und einigen Techniken für das erfolgreiche Selbstmanagement können viele der Nachteile gemildert werden. HSP, die mit sich und ihrer Eigenheit in Frieden sind, genießen nicht nur ihr Leben ungleich mehr, sondern können die von der Natur für sie vorgesehene Rolle sicher besser erfüllen. Die Welt braucht uns und unsere Empfindsamkeit.

© FESTLAND Verlag

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