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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Wer nach außen schaut, träumt.
Wer nach innen blickt, erwacht.

Carl Gustav Jung

C.G. Jung: »Der Introvertierte«

Der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung hielt sehr viel von den sensitiven »Introvertierten«, wie er sie nannte. Er selbst stammte aus einer Familie von selbstbewussten Hochempfindlichen. Er definierte den introvertierten Menschen als »am Subjekt interessiert«, zum Unterschied vom extrovertierten als »am Objekt interessiert«. Mit den Begriffen Subjekt und Objekt wollte er sich jedoch nicht auf das Terrain der Philosophen begeben, sondern mit »Interesse am Subjekt« meinte er einfach, dass die von ihm introvertiert genannten Menschen primär an den inneren Zuständen interessiert wären, sei es an ihren eigenen oder an denen anderer Menschen. Mit anderen Worten könnten wir auch sagen, dass der Extrovertierte am Objekt selbst interessiert ist, der Introvertierte jedoch im Allgemeinen an der mit dem Objekt verknüpften Bedeutung des Objekts – warum es da ist, woraus es besteht, wo es her kam, welchen Sinn es hat, wie es ihm geht, wie es mit anderen Objekten in Beziehung steht, etc.

Eine der Konsequenzen davon ist eine gewisse Isolation hochempfindlicher Menschen, wenn sie sich für Objekte interessieren. In den Worten Jungs sind »Objekte für den Introvertierten eine private Sache und keine öffentliche«. Öffentlich bezieht sich dabei nicht den öffentlichen Raum im gesellschaftlichen Sinne, sondern auf alles, was ein weiteres bewusstes menschliches Wesen involviert. Wir möchten wieder einmal betonen, dass dies, wie auch nahezu alles andere, was über HSP zu sagen ist, nur als Tendenz gilt und daher nicht auf alle von uns in gleicher oder auch nur merkbarer Weise zutrifft. Aber so mancher Leser, so manche Leserin mag hier vielleicht eine Erklärung dafür finden, dass sie »zu nichts kommt«, wenn andere, speziell andere HSP, anwesend sind. Sei es Hausarbeit, das Pflegen eines Sammlerhobbys oder Fernsehen, vielen von uns fällt es schwer, sich solchen objektorientierten Tätigkeiten im Beisein anderer Menschen zu widmen. Manche haben geradezu ein schlechtes Gewissen dafür, so als wäre die Beschäftigung mit der Welt der Objekte irgendwie etwas Anstößiges, das uns vor anderen unserer Art peinlich sein müsste. Nach den Erkenntnissen von Carl Gustav Jung ist diese Haltung ein Nebenprodukt dessen, was die sensiblen Introvertierten grundlegend kennzeichnet.

C. G. Jung meinte, dass introvertierte Menschen am liebsten in einem selbstkontrolliertem Umfeld lebten, in dem sie das Maß an sensorischem Input selbst regulieren könnten. Sie hätten eine »tiefe und sensible Beziehung zu Stimuli« und neigten daher zu »sensorischer Überlastung«, seine Bezeichnung für Überstimulation. Wir finden den Begriff der sensorischen Überlastung vor allem deswegen nicht so treffend, weil er sich so ausschließlich auf die Sinne bezieht und die gedanklichen bzw. emotionalen Stimuli außer Acht lässt. Jung, dem wir den Begriff des »kollektiven Unbewussten« verdanken, sah deutlich, dass sensible Menschen in viel stärkerer, direkterer Verbindung mit dem Unbewussten standen, das ihnen auch Informationen von »höchster Wichtigkeit« sowie »prophetische Vorausschau« gab. Für Jung lag es auf der Hand, dass sich diese Menschen durch mehr Rückzug und der Dosierung von Stimuli besser schützen müssten. Er sagte über sie, sie seien »Erzieher und Förderer von Kultur, deren Leben die andere Möglichkeit lehrt, die des inneren Lebens, das in unserer Zivilisation so schmerzlich fehlt«.

© FESTLAND Verlag

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