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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Alice Miller: »Das begabte Kind«

Die Psychoanalytikerin Alice Miller, die sich im Besonderen mit dem Thema Kindesmisshandlungen und ihre Folgen für den einzelnen und die Gesellschaft befasst hat, hat in den siebziger Jahren ein Buch mit dem Titel »Das Drama des begabten Kindes« veröffentlicht. Darin beschreibt sie, wie die Verdrängung von eigenen Wünschen und Impulsen und die Herausbildung eines falschen Altruismus von Generation zu Generation weitergegeben werden, wobei begabte – das heißt feinfühlige und intelligente – Kinder besonders empfänglich dafür sind. Diese begabten Kinder, die sich in hohem Maße bemühen, den Ansprüchen und Hoffnungen ihrer Eltern gerecht zu werden, fragen sich oft, wie sie wohl sein müssten, welche Gefühle sie haben sollten. Als Erwachsene nehmen sie ihre eigenen Gefühle und Wünsche nicht wahr, oder jedenfalls nicht wichtig. Die Gefühle, Ängste und Hoffnungen ihrer Eltern nehmen sie jedoch in ihrer Kindheit, und auch später noch, besonders deutlich wahr. Viele von diesen Menschen werden, laut Miller, später Psychotherapeuten oder andere Helfer.

Wir können aus dem Gesagten und auch auf Grund unserer eigenen Erfahrungen und Recherchen schließen, dass Kinder nicht nur wegen eines unerträglichen Drucks oder Drohungen darauf verzichten, auf ihren Wünschen und Bedürfnissen zu beharren. Besonders Hochempfindliche verzichten zugunsten ihrer geliebten und vielleicht auch gefürchteten Eltern auf ihre eigenen Wünsche und Rechte, teils, weil Belohnungen verschiedenster Art fürs Bravsein winken, teils, weil andernfalls Strafen zu erwarten sind, aber auch, um die wahrgenommene Not der Eltern zu mindern und ihnen nicht zu deren Problemen auch noch die Last eines »schlimmen« Kindes zu bescheren. Nicht die Eltern kümmern sich dann um die Sicherheit und die Bedürfnisse des Kindes, sondern das Kind kümmert sich um die Sicherheit und die Bedürfnisse der Eltern. Das funktioniert um so »besser«, je empfindsamer das Kind ist. Unter Umständen hätte also ein nicht hochempfindliches Kind mit den gleichen Eltern eine Kindheit mit mehr und besserer Unterstützung, da es die Eltern weniger schont und mehr fordert.

zu Teil 2

© FESTLAND Verlag

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