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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Ein eigener Schlag

C. G. Jung, Iwan Pawlow und auch Jerome Kagan konnten keinen Zusammenhang zwischen Empfindsamkeit und Geschlecht feststellen. Unsere Kultur erleichtert es Mädchen und Frauen, zu ihrer Sensibilität zu stehen, während Buben und Männer damit nicht so gut in ihre Geschlechterrolle passen. Aber von der Veranlagung her gibt es gleich viele männliche Hochempfindliche wie weibliche.

Kagan stellte darüber hinaus fest, dass zwischen HSP und den anderen Kindern auch klare physische Unterschiede bestehen. Seine »gehemmten« Säuglinge hatten in den Jahren ihrer Kindheit deutlich mehr Allergien, Schlafstörungen, Koliken und Verstopfungen als die anderen. Dadurch ist es für die Eltern von hochemp-findlichen Kindern schwieriger, ruhig und verlässlich zu sein.

In Kagans Labor in Harvard zeigten die empfindsameren Babys deutlich höhere Herzfrequenzen, unter Stress weiteten sich ihre Pupillen früher und ihre Stimmbänder spannten sich eher als bei den weniger sensiblen Kindern. Oder anders ausgedrückt: sie halten Stress weniger gut aus, und sie zeigen es ihrer Umwelt. An diesem Mechanismus ändert sich auch bei zunehmendem Alter nicht viel. Viele HSP leiden auch als Jugendliche und Erwachsene noch darunter, dass sich ihre Stimmbänder bei Aufregung anspannen. Dadurch ist uns leicht anzumerken, wenn wir aufgeregt oder im Stress sind. Was den Stress oft noch verstärkt...

Ihre Körperflüssigkeiten zeigten Anzeichen für hohe Konzentrationen von Noradrenalin im Gehirn der hochsensiblen Säuglinge. Noradrenalin ist ein Neurotransmitter, der alle Prozesse im Gehirn besser ablaufen lässt. Es wird vom Körper aller Menschen in geringeren Mengen dann produziert, wenn auch Adrenalin, das Stresshormon, hergestellt wird. Außer, dass es als Mittler zwischen den Gehirnzellen für effizientere Denkprozesse sorgt, weckt es das Gehirn auf und bereitet es auf bevorstehende Denkprozesse vor. Nun ist Noradrenalin im Blut hochempfindlicher Menschen ständig in ungleich größeren Mengen vorhanden als bei anderen. Das heißt, dass wir tendenziell ständig geistig auf unseren Einsatz warten.

© FESTLAND Verlag

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