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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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"Stop and Go" – Zwei grundlegende Reaktionsmuster, Teil 2

Mit unserem Verständnis von den zwei wechselwirkenden psychologischen Systemen können wir vier Typen von Menschen ableiten:

1. Die mit starkem Annäherungs-System und schwachem Rückzugs-System, (das von ersterem eindeutig dominiert wird) – das sind die ausschließlich extrovertierten Menschen und unter ihnen werden wir nicht viele HSP finden können, weil ja Teil der Definition von Hochempfindlichkeit die starke Ausprägung des Reflexionssystems ist. Dies sind die extrovertierten Nicht-HSP, welche zur Zeit die globale Kultur dominieren.

2. Gibt es die Menschen, deren Reflexionssystem stark ist, mit einem schwachen Annäherungs-System – das sind die Introvertierten, die ein äußerlich ruhiges, geordnetes, eher ereignisarmes Leben bevorzugen und sich eines regen und tiefen Innenlebens erfreuen. In dieser Gruppe befinden sich die introvertierten HSP, das sind etwa 70 % aller HSP.

3. Gibt es noch Menschen, bei denen sowohl Annäherungs- als auch Reflexionssystem schwach ausgebildet sind. Dies sind die langsamen und stillen Nicht-HSP, bei denen sowohl das äußere als auch das innere Leben ereignisarm bevorzugt wird.

4. Und dann gibt es noch die Menschen, deren beide Systeme stark ausgeprägt sind. Bei diesen stehen die Impulse zur Annäherung und zum Rückzug häufig miteinander in Konflikt. Dies sind die extrovertierten hochempfindlichen Menschen. Solche HSP haben eine sehr schmale Bandbreite der optimalen Stimulation. Sie sind leicht überstimuliert, aber auch leicht gelangweilt. Sie neigen dazu, oft und gerne Neues ausprobieren, sich dabei aber auch selbst zu überfordern. Oft schwanken sie periodisch zwischen Phasen der Extrovertiertheit und des Rückzugs, weil sie im Grunde genommen keine Extrovertierten sind, sondern sowohl extrovertiert als auch introvertiert im Sinne von C. G. Jung sind. Wenn beide Systeme stark ausgebildet sind, sehen wir scheinbar sprunghafte und impulsive Menschen, die Dinge anpacken und wieder hinwerfen, ihre Umwelt häufig verwirren und im Extremfall den Eindruck einer gespaltenen Persönlichkeit machen.

Gerade für die Gruppe der sowohl extrovertiert als auch introvertiert veranlagten HSP ist es ganz besonders wichtig, dass diese beiden unterschiedlichen Teile der Persönlichkeit lernen, miteinander zurechtzukommen. Dies stellt die hohe Schule des Selbstmanagements dar. Ist es jedoch einmal erreicht, dass diese potentiellen Widersacher harmonisch miteinander kooperieren, können sich diese Menschen zu erstaunlichen Leistungen aufschwingen.

© FESTLAND Verlag

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