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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Wege zur Heilung alter Wunden

Die wichtigste Lebensaufgabe des Menschen besteht darin,
seinem eigenen Wesen zum Durchbruch zu verhelfen.

Erich Fromm

Wie weiter oben ganz deutlich gesagt wurde, haben hochempfindliche Menschen leider die größten Chancen, dass sie in ihrer Entwicklung durch eine Verkettung verschiedenster Umstände Situationen erleben, die sie nicht verkraften, was bleibende psychoemotionale Narben zurücklässt. Andererseits sind sie auch besser als andere Menschen dafür ausgerüstet, solche Fehlentwicklungen später zu korrigieren oder sogar davon zu profitieren. Diese Fähigkeit, destruktive Erfahrungen konstruktiv zu nutzen, wurzelt einerseits in der tiefen, wenn auch oft unbewussten Überzeugung, dass alle Ereignisse des Lebens ihren Sinn haben, und andererseits in ihrer lebenslangen Bereitschaft, zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Wichtig ist es hier zu betonen, dass beileibe nicht alle hochempfindlichen Menschen der Heilung bedürfen.

Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Heilung alter Wunden ist das Annehmen. Erst das Akzeptieren der Vergangenheit ermöglicht es uns, die daraus resultierte Gegenwart zu verändern. Wenn sich jemand einen Span einzieht, und der Akt der Verletzung selbst sehr schmerzhaft war, dann liegt es vielleicht nahe, dass er das ganze Ereignis vergessen möchte, um nicht mehr an den Schmerz erinnert zu werden. Doch erst wenn er es akzeptiert, der Tatsache "ich habe mich verletzt und trage einen Fremdkörper unter meiner Haut" ins Auge sieht, kann er etwas dagegen unternehmen. Erst dann kann er den Span entfernen und Salbe auflegen. Dies fällt natürlich schwerer, wenn der Betroffene in einem Umfeld lebt, in dem die Regel gilt "echte Menschen ziehen sich keine Späne ein" oder "Man kann sich keine Späne einziehen, wer also einen druckempfindlichen Eiterherd unter der Haut hat, mit dem ist was nicht in Ordnung".

zu Teil 2

© FESTLAND Verlag

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