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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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"Reframing" - belastende Ereignisse ins rechte Licht rücken

Ein guter und großer erster Schritt auf dem Weg der Heilung ist das bereits erwähnte Reframing. Der Begriff kommt aus der kognitiven Psychotherapie, und heißt einfach, etwas in einen neuen Bezugsrahmen setzen, etwas aus einem neuen Blickwinkel heraus betrachten. Jeder Mensch, aber ganz besonders jeder hochsensible Mensch, findet in seiner Vergangenheit eine Reihe von größeren und viele kleine Ereignisse, in denen er - seiner eigenen Einschätzung nach - nicht optimal reagiert hat. Oft sind es Situationen unserer Kindheit, Schulzeit und der ersten Berufsjahre, in denen wir Chancen nicht ergreifen konnten, uns blamiert haben, es für uns und andere unangenehm machten, und uns dadurch zur Zielscheibe von Ablehnung, Spott und schlimmeren Misshandlungen gemacht haben. Natürlich wollten wir das nicht, wir verstanden nicht, wieso gerade wir so ungeschickt, langsam, verstockt oder verweigernd waren. Wenn wir jedoch - wie jedes unverdorbene Wesen unter der Sonne - der Ansicht sind, dass wir in Ordnung sind wie wir sind, dann tut die Ungerechtigkeit, so behandelt zu werden als wären wir nicht o.k., bitter weh. Die Chancen sind somit groß, dass wir uns meist früher als später dem Wirklichkeitsbild der Mehrheit angeschlossen haben.

Seit dem Punkt der zusammenbrechenden Selbstachtung haben wir zumindest eine Erklärung dafür, warum wir so sind wie wir sind. Seit damals konnten wir verstehen, warum wir so schlecht behandelt werden. Das macht zwar die Behandlung selbst nicht weniger schmerzhaft, aber zumindest konnten wir unsere Eltern, Geschwister, Freunde und Lehrer verstehen, dass sie uns das antaten. Wenn das Selbstwertgefühl so weit verletzt wurde, dass wir uns für nicht mehr liebenswert erachteten, entstand etwas, das Alice Miller das "falsche Selbst" nennt. Das falsche Selbst bezieht seine Selbstachtung aus Leistung bzw. Überlegenheit. Die Kehrseite ist die Depression, die alternierend zur Selbstbewunderung auftritt, wenn Leistungsfähigkeit oder Überlegenheit einmal nicht gegeben sind. Es soll auch eine Mischform geben, in der beide Zustände parallel vorhanden sind, wobei sich die Depression als ständige Grantigkeit äußert. Besonders traurig finden wir in diesem Zusammenhang die Tendenz zum Teufelskreis: das falsche Selbst leugnet in seinen Phasen der Selbstbewunderung unerwünschte Wesenszüge wie Schwäche, Ungeschicktheit, Weichheit etc. nicht nur in sich selbst, sondern bekämpft sie auch in anderen oder lehnt sie verächtlich ab.

"Jedes Kind hat das legitime narzisstische Bedürfnis, von seiner Mutter gesehen, verstanden, ernstgenommen und respektiert zu werden." Nach Alice Miller entsteht das falsche Selbst, wenn eine emotional übermäßig bedürftige Mutter ihrem Kind dieses Bedürfnis nicht erfüllen kann, sondern es ihrerseits als Quelle von Zuwendung und Anerkennung missbraucht. Dies geschieht, indem sie ihrem Kind durch Belohnung bzw. Bestrafung beibringt, welche Wesenszüge es zeigen darf und welche nicht, damit sie erhält was sie braucht. Nun ist dies eine sehr krasse Behandlung, unter der nicht nur der Selbstwert hochempfindlicher Kinder zusammenbricht. Wir sind jedoch der Ansicht, dass viele HSP diesen Punkt im Laufe ihrer Kindheitsentwicklung erreichen können, und zwar durch die "ganz normale" Ablehnung und Abwertung, mit der sie in einer nicht sehr sensiblen Welt konfrontiert sind.

zu Teil 2

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