"Reframing" - belastende Ereignisse ins rechte Licht rücken (Teil 2)
Die Ablehnung und Abwertung haben viele von uns HSP nicht deshalb erfahren, weil unsere wichtigste Bezugsperson uns anders wollte, sondern weil viele Menschen in unserem Umfeld dachten, dass wir anders wären als wir sind. Viele der Anlässe für demütigende Erlebnisse sind große Missverständnisse. Es ist eben nicht so, dass wir in unserer Empfindsamkeit erkannt worden wären, und trotzdem keine Rücksicht darauf genommen wurde, sondern unser Umfeld hat unser Anderssein gar nicht wahrgenommen. Unser Versagen war oft geradezu vorprogrammiert, weil die Aufgaben nicht für uns gemacht waren, und unsere Eltern, Lehrer, Freunde oder Kollegen uns genauso wenig verstanden wie wir uns selbst.
In den unter HSP wohl häufigen Fällen, in welchen der Druck zum Anderssein nicht so gezielt und nicht allzu früh im Leben einwirkte, dürfte es auch nur zu einer milderen Ausformung des besagten falschen Selbst kommen. Damit sind auch die beiden Gegenspieler Selbstbewunderung und Depression schwächer ausgebildet.
Viele hochempfindliche Menschen tun sich sehr schwer damit, in der heutigen, von Leistung, Gewinn und Genuss geprägten Gesellschaft mit Leistungen zu brillieren. Durch Leistungen Überlegenheit zu demonstrieren ohne sich völlig selbst zu verleugnen scheitert oft daran, dass Leistung daran gemessen wird, wie viel Geld es einbringt. In diesem betont materiellen Bezugsrahmen sind so manche HSP tatsächlich Verlierer, die sich dann auch viel mehr in der Depression aufhalten, als in (Selbst-)Bewunderung zu baden.
zu Teil 3