Besonderheiten des hochempfindlichen Körpers
Ausgeprägtes Frühwarnsystem
Das hochsensible Nervenkostüm der HSP bildet auch die Basis für ein sehr gutes Frühwarnsystem. Entzündungsherde, Verkrampfungen, Probleme mit dem Verdauungsapparat oder dem Kreislauf, sowie alle anderen leichten Unpässlichkeiten und körperlichen Ungleichgewichte werden schon sehr früh ans Bewusstsein weiter geleitet. Die Tendenz zu größerer Achtsamkeit verhilft dazu, diese frühen, subtilen Signale nicht auszublenden, sondern zur Kenntnis zu nehmen. Die Anlage zum intensiveren und tieferen Verarbeiten führt dazu, dass solche Anzeichen zu Überlegungen und Fragen führen, die meist solange am Arbeiten sind, bis eine befriedigende Antwort gefunden wurde.
Ein funktionierendes Frühwarnsystem kann die beste Gesundheitsversicherung darstellen, denn wenn Probleme behoben werden, solange sie noch klein und schwach sind, kommt es nie zu großen Problemen. Unglücklicherweise nehmen sich viele hochsensible Menschen selbst so wenig wichtig (bzw. manchmal auch die eigene Wahrnehmung nicht ausreichend ernst), sodass die Behebung von kleinen Befindlichkeitsstörungen eine niedrige Priorität für sie hat. Dadurch werden Maßnahmen zum Gegensteuern so lange hintangestellt, bis die Probleme so groß geworden sind, sich durch intensivere Symptome die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Aus dem Frühwarnsystem kann sich jedoch auch ein potentieller Spannungspunkt ergeben. Manche HSP nehmen körperliche Ungleichgewichte - die sich ohne Gegenmaßnahmen über kurz oder lang zu Krankheiten oder ähnlich deutlichen Unannehmlichkeiten auswachsen können - bereits in einem Stadium wahr, wo sie von den Diagnosemethoden der modernen westlichen Medizin noch nicht feststellbar sind. Geht der achtsame und vorausschauende hochsensible Mensch damit zum Arzt, so kann dieser vielleicht gar nichts feststellen, obwohl für die Betroffenen selbst bereits ein mehr oder weniger subtiler aber jedenfalls wahrnehmbarer Leidensdruck besteht. Manchmal steht dann gleich der Vorwurf der Hypochondrie im Raum. Bleibt das Problem im Frühstadium unbehandelt, kann es wachsen, die Symptome können sich verstärken bis an den Punkt, an dem das Problem auch von Ärzten erkannt werden kann. Manchmal taucht dann in ihrem Umfeld, aber auch bei den erkrankten Menschen selbst, der Verdacht auf, sie hätten sich die Krankheit durch die "intensive Einbildung" selbst "herbeigewünscht".