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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Neigung zu Stresskrankheiten

Viele hochsensible Menschen kennen aus leidiger Erfahrung den Übergang vom Kurzzeit-Stress zum Dauerstress. Zum Beispiel beim Einschlafen, wenn knapp vor dem Wegdriften eine Störung kommt (z.B. "Mama, ich bin durstig..."), so ist das noch kein Problem. Wasserglas gebracht, Kind geküsst, wieder ins Bett. Die Müdigkeit tut das ihre, schnell ist man wieder am Punkt des Einschlafens - da schreckt man wieder ein wenig auf, vielleicht weil das Kind im Schlaf hustet. Manche Menschen erreichen da schon den kritischen Punkt, doch spätestens bei der dritten derartigen Störung schaltet das Nervensystem vieler HSP auf Dauerstress.

Normalerweise ist es so, dass nach dem Ende der Störung das Adrenalin nach einigen Minuten genügend abgebaut ist, die Ruhe wieder einkehrt und der Organismus zum Normalzustand übergeht. Jedoch nach einer gewissen Anzahl von Adrenalinstößen innerhalb einer gewissen Zeitspanne wird auf Dauerstress geschalten, und nicht nur Adrenalin sondern auch Cortisol in den Blutkreislauf ausgeschüttet. Wie viele Störungen innerhalb welcher Zeitspanne jeder einzelne verkraftet, ist individuell sehr unterschiedlich, generell jedoch wird dieser Punkt von hochempfindlichen Menschen auffällig schneller erreicht als von anderen. Es kann sich da jeder nur selbst beobachten, um die eigene Belastbarkeit kennen zu lernen, doch mehr als die Hälfte derjenigen befragten HSP, die eine Antwort wussten, nannten drei Störungen innerhalb von einigen Minuten bis zu einer halben Stunde als die kritische Zahl. Der Mechanismus tritt natürlich nicht nur beim Einschlafen auf, sondern bei jeder Art von Unterbrechung der Konzentration oder Störung im eigenen Rhythmus.

Cortisol ist ein Hormon, das den Körper in dauerhafter Alarmbereitschaft hält. Sobald eine gewisse Konzentration von Cortisol im Blut feststellbar ist, beruhigt sich der Organismus auch nach Abbau des Adrenalins nicht mehr, sondern wartet gespannt auf die nächste Störung. Statt endlich einzuschlafen, liegen wir dann stundenlang wach, oder, wenn wir dreimal bei der Schreibtischarbeit unterbrochen wurden, können wir uns vielleicht gar nicht mehr richtig konzentrieren, weil wir mit einem Teil unserer Aufmerksamkeit darauf warten, wieder angesprochen zu werden, obwohl wir vielleicht inzwischen sogar alleine im Büro sind.

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