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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Neigung zu Stresskrankheiten, Teil 2:

Dieses Alarm-Hormon Cortisol braucht zehn bis zwanzig Minuten, um voll wirksam zu werden, und wird nur sehr langsam abgebaut. Es braucht zumindest einige Stunden, kann aber auch einige Tage dauern, bis der Normalzustand wieder erreicht ist. Solange die Effekte des Cortisol im Körper wirksam sind, kommt es auch leichter zu kurzzeitiger Erregung durch Adrenalinausstoß, das heißt, wir sind in diesem Zustand noch empfindsamer, noch leichter erregbar, was leichter zu erneutem Ausstoß von Cortisol führen kann.

Dieser andauernde Spannungszustand ist über längere Sicht der Gesundheit abträglich. Ein langfristig erhöhter Cortisolspiegel kann zu erhöhter Infektionsanfälligkeit, Essstörungen, Vergesslichkeit, Bluthochdruck, Knochen- und Knorpelabbau sowie anderen körperlichen Störungen führen. Der Kreislauf wird belastet und die oft resultierende Schlaflosigkeit schwächt ebenfalls das Immunsystem. Dabei ist gerade Schlaf ein wichtiger Faktor, um Cortisol möglichst rasch wieder abzubauen. Deshalb ist es speziell für hochsensible Menschen besonders wichtig, sich ausreichend Ruhe und Rückzug zu verschaffen. Reichlich Wasser zu trinken ist ebenfalls hilfreich.

Einige hilfreiche Techniken rund um das Thema Schlaf und Cortisol-Abbau werden im Kapitel "Selbstmanagement" vorgestellt.

Zum Thema Vergesslichkeit bei HSP sind vor allem zwei Dinge erwähnenswert. Zum einen kann ein über Jahre oder Jahrzehnte hoher Cortisolspiegel zu einer besonderen Form der Altersvergesslichkeit führen. Darüber hinaus scheinen viele Hochempfindliche schon in jungen Jahren über ein sehr schlechtes Kurzzeitgedächtnis zu verfügen. Wer kennt nicht den Menschen, der fast jedesmal, wenn er aus der Wohnung geht, etwas mitzunehmen vergisst, oder denjenigen, der zweimal zurückgeht, um zu schauen, ob er das Wasser oder den Herd auch wirklich abgedreht hat, ob er auch wirklich abgesperrt hat, etc? Dies ist jedoch keine schlechte Gedächtnisleistung im üblichen Sinne (schlechte Reproduktion des Gewussten) sondern ein aus der Überstimulation resultierender Zustand milder Verwirrung. Er kann verhindern, dass die Informationen überhaupt aufgenommen werden. Der Autor beispielsweise war jahrelang fast ständig auf der Suche nach seiner Brille, die er irgendwo im Haus abgelegt hatte, ohne es selbst zu registrieren, weil er mit der Aufmerksamkeit woanders war. Oder das Gedächtnis funktioniert gut mit ausreichender Ruhe (wird das Haus erstens allein und zweitens ohne Hektik verlassen, wird nur ganz selten etwas vergessen), Zeitstress bzw. das Reden oder auch nur die Anwesenheit einer weiteren Person ist hingegen so stimulierend, dass fast immer etwas zu Hause liegen bleibt, manchmal sogar das Wichtigste.

© FESTLAND Verlag

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