Home|Produkte|Garantie|Extras|Offenheit|Buchhandel|Impressum|Bestellungen

Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

Zum InhaltsverzeichnisZum Bestellformular

Geistige Gesundheit speziell für HSP (Teil 2)

Stellen wir uns einen hochsensiblen Menschen vor, der in einer Kleinstadt lebt. Stellen wir uns weiter vor, er habe einen Abend im Kreise von starken und liebevollen Menschen verbracht, vielleicht in einer kleinen spirituellen Gemeinschaft oder im intimen Freundeskreis, und zwar in der Großstadt. Er hat stundenlang erlebt, wie Liebe, gegenseitige Fürsorge und echte Anteilnahme geflossen sind, wie die Menschen sorgsam und unterstützend miteinander umgingen. Dieses beglückende Erlebnis hat sein Herz geöffnet, er ist hoch stimuliert durch die erlebte Intensität und seine eigenen Gefühle, auch wenn diese durchwegs positiv sein mögen. Dadurch ist er wahrscheinlich noch aufnahmefähiger und feinfühliger als sonst. Und nun stellen wir uns vor, wie dieser mitfühlende und offene Mensch spät Abends in der Großstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinem Quartier fährt. Dort sieht er sehr viele junge Menschen, die auf dem Weg zu oder von einem Lokal oder einer ähnlichen Freizeiteinrichtung sind. Er erkennt, dass viele von ihnen von der Sehnsucht nach Kontakt, nach Partnerschaft, nach Liebe motiviert sind, kann auch sehen, wie sie sich selbst im Wege stehen. Er spürt unter den coolen Oberflächen, den Masken und gekünstelten Persönlichkeiten die Bedürftigkeit und die Einsamkeit. Vielleicht ist für andere HSP nachvollziehbar, dass ein solches Erlebnis tagelange Traurigkeit auslösen kann, doch für den Betroffenen selbst ist es unter Umständen schwer zu erklären, vor allem, wenn er versucht sich einem nicht hochempfindlichen Menschen darüber mitzuteilen. Da mag beim Zuhörer schon der Gedanke auftauchen, dass da wohl Depression im Spiel ist.

Manche HSP wissen aus eigener anstrengender Erfahrung, dass soziale Ereignisse mit mehr als einer Handvoll Teilnehmern, besonders solche, die erst zu einer Zeit beginnen, zu der sie normalerweise schon im Bett liegen, für sie keinen Lustgewinn darstellen, auch wenn sie dort endlich wieder einmal X träfen oder sich Y sehr freuen würde, sie zu sehen. Jede solche Einladung bringt sie in Entscheidungskonflikte, die in sich vielleicht schon sehr stimulierend sind, und die Erinnerung an die Überstimulation durch Lärm, Rauch, Übermüdung und viele fremde Menschen bei den letzten ähnlichen Festen wachruft. Wer deshalb regelmäßig absagt, mag bei manchen Mitmenschen den Eindruck erwecken, an Sozialphobie zu leiden.

Hochempfindlichkeit ist also keinesfalls mit Neurose oder Depression gleichzusetzen. Es ist jedoch darüber hinaus nicht zu übersehen, dass tatsächlich ein hoher Prozentsatz der hochempfindlichen Menschen auch unter Neurosen, Depressionen oder Sozialphobien leidet. Die Hintergründe zu dieser Tatsache wollen wir uns in den nächsten Punkten etwas genauer ansehen.

© FESTLAND Verlag

vorige Seite zurück zum Inhaltsverzeichnis