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Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen

von Georg Parlow

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Psycho-emotionale Gesundheit speziell für HSP

Grundsätzlich ist die Anlage zum hochsensiblen Menschen kein Zeichen für mangelnde psycho-emotionale Gesundheit, eher das Gegenteil. Hochempfindliche Menschen sind per se weder gehemmt, noch neurotisch oder depressiv, nicht zurückgeblieben, soziophobisch oder sonst wie psychisch oder emotional krank. Hochempfindliche Menschen haben einfach ein hoch empfindliches Nervensystem, so wie Linkshänder einfach mit der linken Hand geschickter sind, ohne deshalb krank oder sonst wie nicht in Ordnung zu sein. Das kann gar nicht oft und stark genug betont werden.

Richtig ist allerdings, dass viele Menschen, die von Hochsensibilität und den ganzen Zusammenhängen keine Ahnung haben, so manche Verhaltensweise von HSP in bestimmten Situationen mit dem Ausdruck einer Hemmung, Neurose, Depression oder Sozialphobie verwechseln.

Wer ein Kind beobachtet, das nach 2 Monaten Schulbetrieb nach wie vor immer nur still dasitzt, auch in den Pausen, und mit großen Augen alle Wahrnehmungen aufsaugt, kann schon mal auf die Idee kommen, dass das Kind gehemmt sei. Kommt dann jemand mit der Erklärung der Hochsensibilität, klingt das vielleicht nach fauler Ausrede. Könnte der selbe Beobachter eben dieses Kind jedoch sehen, wie es in einer anderen Situation - beispielsweise in seiner vertrauten Umgebung mit nur 2 oder 3 Klassenkameraden - gar nicht still sondern höchst aktiv, kommunikativ und ausgelassen agiert, käme das Urteil der Gehemmtheit vielleicht ins Wanken. Zumindest theoretisch können sich dann vielleicht auch nicht hochempfindliche Menschen mit der Vorstellung anfreunden, dass das Kind in der Klasse einfach so sehr mit Aufnehmen und Verarbeiten beschäftigt ist, dass es gar nicht auf die Idee kommt, nach außen zu gehen, weil die zur Verfügung stehenden Systemressourcen ausgelastet sind.

Denken wir an ein anderes, ebenfalls hochempfindliches Kind, das vielleicht zusätzlich zur unbekannten Schulsituation und den vielen neuen Menschen noch mit anderen Faktoren neu konfrontiert wird. Zum Beispiel erstmals die Welt von Film und Fernsehen kennen lernt (in den Erzählungen und Unterhaltungen der Klassenkameraden über die Sendungen vom Vorabend), oder von der sozialen Situation stärker gefordert ist, weil es bis dahin vielleicht bei Großeltern ganz ohne gleichaltrige Spielkameraden aufgewachsen ist, oder emotional sehr behütet war und die unter manchen Kindern üblichen Methoden der Konfliktlösung (z.B. Gewaltdrohung oder gar Gewalt) gar nicht kannte. Die Systemressourcen dieses Kindes sind vielleicht so sehr ausgelastet, dass auch für eine gewisse Körperbeherrschung weniger überbleibt, und es oft in Selbstvergessenheit mit offenem Mund und schlaffem Gesicht starrt und horcht. Manchmal ist es vielleicht so gefordert, dass es eine ruhigere Phase (z.B. eine Unterrichtsstunde) dazu verwendet, die Aufnahme neuer Eindrücke weitgehend zu drosseln und sich nur der Verarbeitung des Aufgenommenen zu widmen, und dabei "traumverloren" aus dem Fenster starrt, und dabei so sehr in sich versinkt, dass es auch die Mahnungen und Rufe der Lehrerin nicht bemerkt, und schließlich an der Schulter gerüttelt werden muss, um mit seiner Aufmerksamkeit in den Klassenraum zurückzukehren. Wer so ein Kind sieht, es nur in diesem Umfeld kennt und nichts von den Zusammenhängen ahnt, dem sei es schon verziehen, wenn der Verdacht auf geistige Behinderung auftaucht.

Zu Teil 2

© FESTLAND Verlag

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